Mieste

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springenZur Suche springen
Mieste
Hansestadt Gardelegen
Wappen von Mieste
Koordinaten:, 11° 12′ O52° 28′ 44″ N, 11° 12′ 11″ O
Höhe: 59 m ü. NHN
Fläche:37,38 km²
Einwohner:1891 (31. Dez. 2022)[1]
Bevölkerungsdichte:51 Einwohner/km²
Eingemeindung:1. Januar 2011
Postleitzahl:39649
Vorwahl:039082
KarteAlgenstedtBergeBreitenfeldDannefeldEstedtGardelegenHemstedtHottendorfJeggauJeseritzKloster NeuendorfKöckteLetzlingenLindstedtMiesteMiesterhorstPeckfitzPotzehneRoxfördeSachauSchenkenhorstSeethenSeethenSichauSichauSolpkeWannefeldWiepkeZichtauJävenitzJerchelJerchelKassieck
Karte
Lage von Mieste in Gardelegen
Evangelische Dorfkirche Mieste
Evangelische Dorfkirche Mieste

Mieste ist ein Ortsteil der gleichnamigen Ortschaft der Hansestadt Gardelegen im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt, Deutschland.

Mieste, ein Straßenangerdorf mit Kirche,[2] liegt 14 Kilometer südwestlich der Stadt Gardelegen und 17 Kilometer nordöstlich von Oebisfelde in der Altmark zwischen dem Drömling und der Colbitz-Letzlinger Heide.[3]

Die Mieste umgebenden landwirtschaftlichen Flächen sind mit durchschnittlich 37 Bodenpunkten nur mäßig ertragreich. Im Osten des Dorfes fließt die Sichauer Bäke nach Süden.

Nachbarorte sind Miesterhorst im Südwesten, Peckfitz im Nordwesten, Siems im Norden, Sichau im Nordosten, sowie Wernitz und Sachau im Osten.[3]

Ortschaftsgliederung

Quelltext bearbeiten

Zur Ortschaft gehört neben Mieste der Ortsteil Wernitz.[4]

Zu Mieste gehören die Kolonien Breiteiche, Himmelreich, Hopfenhorst, Krügerhorst, Lenz und Werder.[5] Die Kolonie Lenz liegt östlich an der Bundesstraße 188 zwischen der Mieste und Miesterhorst. Die Kolonien Breiteiche und Hopfenhorst liegen im Süden des Dorfes, Krügerhorst und Werder im Südwesten, die Kolonie Himmelreich hingegen liegt nördlich.

Mittelalter bis Neuzeit

Quelltext bearbeiten

In der Fehdezeit 1414/15 wurden vsz dem dorfe myest Schafe und Rindvieh gestohlen, so ist es in den Schadensrechnungen des Markgrafen Friedrich I. überliefert.[6] Weitere Nennungen sind 1471 Myst, 1541 Myst, 1687 Miest.[2]

Die Dorfanlage von Mieste wechselte im Lauf der Geschichte ihr Erscheinungsbild. War sie anfangs rund, wurde sie nach einem großen Brand im Jahr 1808 geradlinig aufgebaut und erweitert.

1871 erfolgte der Anschluss an das Eisenbahnnetz. Die einstmals landwirtschaftlich ausgerichtete Infrastruktur wandelte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts in einen Ort mit vielen Handwerks- und Gewerbefirmen.

Im Jahre 1923 hatten Bauern aus der Umgebung in Mieste eine Kartoffelflockenfabrik errichtet, die mit einer Jahresverarbeitung von 5.000 Tonnen die über den Verbrauch erzeugte Kartoffelmenge zu Flocken verarbeitete. 1944 musste sie kriegsbedingt schließen.[7]

Vermutlich im 18. Jahrhundert entstand Miesterhorst als Kolonie von Mieste auf einem der Horste im Drömling.

Herkunft des Ortsnamens

Quelltext bearbeiten

Franz Mertens leitet den Namen 1420 myest, myste vom dravänischen „müöst“ oder „müst“ für „Dammstraße, Knüppeldamm, Brücke“ ab. Es interpretiert es als „Weg durch den Drömling“.[8] Der Drömling war bis zu seiner Trockenlegung im 18. und 19. Jahrhundert eine unzugängliche Sumpfniederung.

Ersterwähnung 959

Quelltext bearbeiten

Max Ebeling schrieb 1889: „In einer Urkunde von 959 wird des Dorfes Mösde (=Mieste?)… gedacht.“[9] In einer Schenkung von Besitzungen in Buxtehude von König Otto I. am 2. Juli 959 an die Stiftskirche in Magdeburg wird Besitz in Helinge et Moside erwähnt.[10] Samuel Walther meinte 1737 das wäre ein Dorf Mösde, das seinerzeitige Miest.[11] Er meint außerdem Caspar Sagittarius habe den Ort als falsch als Mortzan gedeutet.[12]

Daher interpretieren manche die Nennung 959 Mösde als erste Erwähnung des Dorfes Mieste.[13]

Eingemeindungen

Quelltext bearbeiten

Mieste gehörte ursprünglich zum Salzwedelischen Kreis. 1807 bis 1813 gehörte es zum Kanton Mieste auf dem Territorium des napoleonischen Königreichs Westphalen. Als nach dem Wiener Kongress in Preußen die Kreisverwaltung reformiert wurde, kam Mieste 1818 in den Kreis Gardelegen, den späteren Landkreis Gardelegen.[2]

Die Gemeinde wurde am 25. Juli 1952 in den neuen kleineren Kreis Gardelegen umgegliedert. Am 15. März 1974 wurde die Gemeinde Wernitz aus dem Kreis Gardelegen in die Gemeinde Lindstedt eingemeindet. Nach Auflösung des Kreises Gardelegen kam die Gemeinde Mieste am 1. Juli 1994 zum Altmarkkreis Salzwedel.[14]

Für einige Jahre war Mieste Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Mieste mit 10 Gemeinden, ehe sie 2005 in die neugebildete Verwaltungsgemeinschaft Südliche Altmark aufging. Zum 1. Januar 2011 wurden die Gemeinde Mieste und die 17 weiteren der VWG Südliche Altmark aufgelöst und per Landesgesetz nach Gardelegen eingemeindet.[15][16]

Einwohnerentwicklung

Quelltext bearbeiten
JahrEinwohner
1734306
1774372
1789443
1798407
1801419
1818546
JahrEinwohner
18400755
18640955
18710862
18851148
18951051
19051185
JahrEinwohner
19251617
19101559
19391821
19462671
19642446
19812609
JahrEinwohner
19932531
20062276
2012[0]1931[17]
20171944
2021[0]1905[1]
2022[0]1891[1]

Quelle bis 2006, wenn nicht angegeben:[2]

Bürgermeister

Quelltext bearbeiten

Steffen Rötz ist seit Ende September 2022 Ortsbürgermeister, nachdem Andy Neubauer sein Amt Ende August 2022 nach drei Jahren Amtszeit niederlegte.[23][24]

1990 bis 1994 war Horst Hacke Bürgermeister vom Mieste, von 1994 bis 2008 Dirk Schütze. Letzter Bürgermeister der ehemals selbstständigen Gemeinde Mieste war Kai-Michael Neubüser (CDU).

Die Ortschaftsratswahl am 26. Mai 2019 lieferte die folgende Sitzverteilung.[23]

  • Wählergemeinschaft Feuerwehr, 4 Sitze
  • CDU, 2 Sitze
  • Freie Liste, 1 Sitz

Es wurden 7 Männer als Räte gewählt.[25]

Das Wappen wurde vom Heraldiker Uwe Reipert gestaltet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Quelltext bearbeiten
  • Die Heimatstube ist ein 2011 eröffnetes Traditionszimmer im Obergeschoss der Miester Touristinformation des Fremdenverkehrsvereins Mieste e. V.
Evangelische Dorfkirche Mieste
Katholische Kirche St.-Elisabeth
  • Die evangelische Dorfkirche Mieste ist ein rechteckiger Fachwerkbau aus dem 19. Jahrhundert mit einem überproportionierten Sandsteinturm von 1884 in Form der rheinischen Romanik.[26]
  • Die katholische St.-Elisabeth-Kirche von 1959,[21] ein Fachwerkhaus mit einem Turm,[27] ist an einem Seitenweg der Riesebergstraße gelegen.

Gedenkstätten und Denkmale

Quelltext bearbeiten
Rieseberg-Denkmal

Wirtschaft und Infrastruktur

Quelltext bearbeiten

Mieste liegt an der Bundesstraße 188 (BurgdorfWolfsburgStendalRathenow). Der Bahnhof des Ortes liegt an der Bahnlinie Wolfsburg-Stendal und wird meist im Stundentakt von Regionalbahnen der Abellio Rail Mitteldeutschland in Richtung Stendal und Wolfsburg mit Alstom Coradia LINT Zügen bedient. Die in Salzwedel ansässige Personenverkehrsgesellschaft Altmarkkreis Salzwedel mbH (PVGS) betreibt den öffentlichen Linienverkehr in der Kernstadt Gardelegen und dem Ortsteil Mieste.

Etwa 6 km südlich des Ortes verläuft der Mittellandkanal, die nächste Umschlagsstelle für Schiffsfracht befindet sich in Calvörde.

Sagen aus Mieste

Quelltext bearbeiten

Der Sprachwissenschaftler Philipp Wegener hat Sagen, Märchen, Zauber und Festtagsbräuche auch im Dorf Mieste gesammelt und 1880 veröffentlicht. Er berichtet von Hexen, Kobolden und Sprüchen.[30][31]

Die Mahr, Marte oder der Nachtalb ist ein Sagenwesen, dass in der Nacht auf Menschen lastet. Philipp Wegener überlieferte diese Sage: Ein Mann in Mieste hat Martendrücken gehabt. Da hat er einmal zufällig das Loch gefunden, durch das die Marte hineinkommt. Es war ein Bohrloch, in das der Zimmermann vergessen hatte, einen Nagel zu schlagen. Er passte nun auf, bis die Marte wiederkam. Als sie im Hause war, machte er das Loch schnell zu. So konnte sie nicht mehr fort. Es ist seine Liebste aus Amerika gewesen. Er hat sie geheiratet und mit ihr Kinder gehabt. Aber einmal, beim Mistauswerfen, ist das wieder geöffnet worden und die Frau war auf immer verschwunden. Nur jeden Sonntagmorgen hat ein weißes Hemd vor dem Bett der Kinder gelegen.[32]

Der Schatz im Schnipp

Quelltext bearbeiten

Der Lehrer Lehrmann überlieferte 1908 im „Altmärkischen Sagenschatz“ diese Sage: Ein Haus im Dorf trägt den Namen „Schnipp“. Tief unten im Keller liegt ein Schatz an Gold und Silber verborgen. Den Schatz heben kann nur, wer im Keller drei volle Tage und Nächte wachend zubringt. Einige Wagemutige haben es versucht, aber jedes Mal brachten ihnen unterirdische Geister ein Buch, in welchem sie lesen sollten. Sobald sie dies taten, schliefen sie ein. Anschließend kamen die Gestalten wieder und führten sie hinweg, so dass sie nicht wieder gesehen wurden.[33]

Persönlichkeiten

Quelltext bearbeiten

In Mieste sind geboren:

Commons: Mieste – Sammlung von Bildern
  • Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 1473–1477, doi:10.35998/9783830522355 (E-Book zur zweibändigen Druckausgabe).
  • Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, OCLC 614308966, S. 211 (Reprint 2018, SelbstVerlag Eugen & Constanze Gliege).
  • J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes: Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Hrsg.: J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes, M[ichael] J[ulius] Weigelt. Zweiter, oder topographischer Teil. Selbstverlag und W. Heinrichshofen in Kommission, Magdeburg 1842, OCLC 1071081004, S. 411, 61. Mieste (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Einzelnachweise

Quelltext bearbeiten

Navigationsmenü